August 2001: Privater Besuch von 5 Ugandern

 

 

Schon lange haben sich 5 ugandische Besucher aus Kayunga zu einem privaten Besuch in Witzenhausen angekündigt und lange für die Flugtickets gespart. Gar nicht so einfach war es für sie, die ugandischen Reisepässe zu bekommen, da das System zum Einzug der Bearbeitungsgebühren geändert wurde und die Angestellten der Banken davon noch nicht informiert waren. 
Aber auch die Modalitäten für die VISA-Anträge haben sich geändert, so dass auch das Uganda-Team einige Hürden zu nehmen hatte, bis die ugandischen Gäste letztendlich doch ihre VISA bei der deutschen Botschaft in Kampala bekommen haben. Nun stand deren Besuch in Witzenhausen nichts mehr im Wege.

Hier eine kurze Beschreibung der ugandischen Gäste:

Steven Luzira Sayuni ist ein alter Bekannter in Witzenhausen. Es ist bereits sein 4. Besuch und er war von Anfang an eine wichtige Persönlichkeit im Städtepartnerschaftsprojekt. 1993 und in den Folgejahren leitete er den Bau des Jugendzentrums in Kayunga und war ins seither in allen Fragen der Zusammenarbeit ein engagierter und verlässlicher Partner.
Steven ist 46 Jahre alt und stammt aus Kayunga. Er hat drei erwachsene Töchter und einen Sohn. Auf seiner kleinen Farm, die er selbst bewirtschaftet, leben weiterhin eine Enkeltochter und die Tochter einer verstorbenen Schwester.
Steven Luzira ist ein Allround-Handwerker mit Schwerpunkten in den Bereichen Malen, Schreinerei, Zimmerei und Mauern. Er arbeitet als selbständiger Unternehmer und bildet Jugendliche in handwerklichen Fertigkeiten aus.
Er war lange Jahre Stadtrat und zählt heute zum Kreise der Elders, einer Gruppen von Ältesten die den Entwicklungsprozess in Kayunga engagiert beraten und begleiten. Daneben ist er sehr aktiv in der evangelischen Kirchengemeinde, zählt dort zum Kirchenvorstand und vertritt ihn im Co-ordination Committe für die Partnerschaftsbeziehung mit Witzenhausen.
Als persönliche Interessen benennt Steven u.a. ehrenamtliches Engagement,  kirchliche Aktivitäten, Gemeinwesenarbeit und Interesse an Kindern. All das findet Ausdruck in zahlreichen Ehrenämtern. Seine gute Stimme, das Trommeln und Spielen traditioneller Musikinstrumente weisen die Musik als ein weiteres Hobby aus.

Christopher Bukenya Bezaaleri ist 37 Jahre alt  und in Busaana, ca. 15 Kilometer von Kayunga, geboren. Er ist verheiratet und hat 5 eigene Kinder im Alter von 6 – 16 Jahren. Außerdem haben er und seine Frau Sarah zwei Mädchen, eines davon körperbehindert, adoptiert. Zur Familie zählen weiterhin noch eine Nichte und der jüngste Bruder Christophers.
Christopher ist als Sozialarbeiter bei der evangelischen Church of Uganda angestellt und koordiniert deren Behindertenarbeit in der Diözese Mukono. Außerdem ist er Prediger und Katechet der Gemeinde Kayunga. Als Kinderberater der Kirche hält er außerdem Beratungen in Kayunga.
Neben seinem kirchlichen und sozialen Engagement ist er Mitglied des Rotary Clubs. Christopher ist  gesellig, interessiert an Sport und Spiel, führt gern entwicklungsorientierte Diskussionen und hat Spaß mit jungen Leuten.

Agnes Padda ist Lehrerin an der Bishop-Brown-Grundschule in Kayunga. Sie ist 31 Jahre alt und im Iganga-Distrikt, im Osten des Landes geboren, und gehört somit zum Volk der Basoga. Auch ihr Vater Constant ist Lehrer und ihr besonderes Interesse und ihre Begabung im Umgang mit jüngeren Kindern wurden ihr sicher in die Wiege gelegt. 
Agnes versorgt  4 Kinder, 2 davon sind ihre eigenen, die sie schon früh, als junges Mädchen bekam, 2 Kinder sind von in Not geratenen Verwandten. Wie sie den Unterhalt, die Schulgebühren und alles andere von ihrem kleinen Lehrerinnengehalt bezahlen kann wird uns sicher unverständlich bleiben.
Agnes ist sehr gesellig und die Musik liegt ihr im Blut.  Sie hat eine tolle Stimme, tanzt gern, trommelt und spielt traditionelle Musikinstrumente. Neben dem schulischen Musikunterricht leitet sie auch andere Musikgruppen und Kinderchöre.

Grace Naluwooza ist Sekretärin von Beruf. Sie ist 34 Jahre alt und beim Krankenhaus Kayunga angestellt. Daneben leitet sie ein Kopier- und Schreibbüro in Kayunga, das seine Grundausstattung im Jahr 1999 aus einem Spendentransport des Uganda-Teams bezog.
Grace zählt zu den ganz wenigen Menschen in Kayunga, die bereits gute Computer-Kenntnisse haben. Auch Grace war dem Uganda-Team seit 1993 eine engagierte und verlässliche Ansprechpartnerin in allen Fragen der Zusammenarbeit und besucht Witzenhausen zum zweiten Mal.
Während ihres Besuches in Witzenhausen möchte sie gern ihre Computer und Sekretariatskenntnisse weiter verbessern und auch in der Nutzung des Internet geschult werden.

Dr. Edward Senteza ist 32 Jahre alt und von Beruf Arzt. Er arbeitet als Arzt im Krankenhaus Sembabule und hofft bald nach Kayunga versetzt zu werden.
Edwards Familie, die Eltern und drei Schwestern leben in Kayunga. Sein Vater, Labison Semmambo, leitet die Ndeeba Oberschule in Kayunga, ist Schriftführer der Elders, Mitglied im Co-ordination Committee und seit 1993 ein Freund des Uganda-Teams und des Städtepartnerschaftsprojektes.
Neben der Medizin interessiert sich Edward für Fußball, Filme, Naturschutz und Musik.

Zusammen mit den Gästen haben wir ein Besuchsprogramm ausgearbeitet, welches den Interessen der Gästen entspricht. Es hat uns sehr gefreut, dass bei den zahlreichen Veranstaltungen ein reges Interesse durch die Bevölkerung wahrnehmbar war. Viele Menschen suchten den Kontakt zu den Ugandern und nahmen bei den Veranstaltungen teil.
Hier das Programm:

Tag

Vormittags

Nachmittags

Abends

So., 5.08.

 

 

Ankunft / gem. Abendessen

Mo., 6.08.

 

14:30 Stadtrundgang

 

Di., 7.08.

 

14:00 Rundfahrt über die Dörfer mit Ludwigstein und Hanstein

16:30 Besichtigung Ludwigstein

18:00 Abendessen Ludwigstein

Mi., 8.08.

9:00 Tagesausflug nach Kassel    Stadtbesichtigung    Essen: GhK-Mensa

15.00 h Herkules Wasserspiele

 

Do., 9.08.

 

18:00 Renovierung Uganda-Hütte

Fr., 10.08.

9:30 – 12:30 Internetkurs I

14:00 Besuch Gebrauchtwarenzentrum

19:30 Sprachkurs I

Sa., 11.08.

11:00 Vorbereitungen für das Fest

Fest rund um die Uganda-Hütte. Verkauf von CD's, Videos etc.

15:00 Uhr: Informationen, Trommelworkshop, Matten und Körbe flechten 18:00: Offizielle Willkommensfeier 

So., 12.08.

gemeinsamer Gottesdienst in der Liebfrauenkirche

 

20:00 Stammtisch Schinkels Brauhaus (Ideenaustausch und Perspektiven)

Mo., 13.08.

 

 

Schnupperpraktika

19:30 Internetkurs II

Di., 14.08.

 

Mi., 15.08.

 

Do., 16.08.

19:30 Sprachkurs II

Fr., 17.08.

 

Sa., 18.08.

 

Gemeinsame Wanderung und Grillfete bei Fa. Hahn. Treff: Kleinalmerode 13:00

So., 19.08.

Gottesdienst

 

 

Mo., 20.08.

Kurztrip nach Berlin .

Di., 21.08.

Mi., 22.08.

Do., 23.08.

10:00 Uhr Besuch DRK Kassel

 

19:30 Sprachkurs III

Fr., 24.08.

 

Eröffnung des Erntefestes (19.30 h)

Sa., 25.08.

Vorbereitung eines Festwagens

Vorbereitung eines Festwagens

Erntefest      24.00 h Feuerwerk

So., 26.08.

gem. ökumenischer Festgottesdienst

Festumzug mit eigenem Festwagen

 

Mo., 27.08.

Frühschoppen

 

Di., 28.08.

 

 

19:30 Gemeinsame Auswertung

Mi., 29.08.

 

shopping

 

Do., 30.08.

 

 

Abschiedsparty (Grillhütte Hundelshausen)

Fr., 31.08.

Ca. 9:00 Abfahrt nach Frankfurt

17.00 h Abflug

Zwischenlandung in Kairo

 

An dieser Stelle möchten wir einige Schwerpunkte des Programms und deren Hintergründe beschreiben.

Ausflüge und Besichtigungen in und um Witzenhausen
Bei einem Stadtrundgang und bei Ausflügen in die nähere Umgebung Witzenhausens sollte den Gästen die Stadt Witzenhausen und deren Region vertraut gemacht werden. Dies diente auch dazu, dass sie sich allein in Witzenhausen zurecht finden konnten und Hintergrundinformation über Witzenhausen bekamen.

Ausflug nach Kassel
Kassel ist eine Großstadt in der näheren Umgebung Witzenhausens mit vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten. Die Ugander konnten dort den Eindruck einer Großstadt mit all ihrer Vielfalt erhalten. Dabei waren es manchmal nur Kleinigkeiten die überraschen. So hat sich z.B. ein früherer Besucher über "fahrende Treppen" in Kaufhäusern gewundert. Daneben wurden durch Besichtigungen Informationen über die Kultur Deutschlands des 18. und 19. Jahrhundert vermittelt.
Nach dieser Orientierung hatten die Gäste zum Ende ihres Besuches die Möglichkeiten, ein ausgedehntes Shopping in Kassel und Witzenhausen durchzuführen. Sie waren daran interessiert einige Dinge mit nach Hause zu nehmen, die es in Uganda nicht gibt oder dort zu teuer sind. 

Internetkurs
Auch in Kayunga ist die Zeit nicht stehen geblieben. Viele Arbeiten werden bereits mit dem Computer erledigt. Durch ein Projekt des Uganda-Teams und der Stadt Kayunga konnte ein Internetanschluss beantragt und ein Computer zur Verfügung gestellt werden. Damit soll es möglich werden den Kontakt zwischen Witzenhausen und Kayunga zu verbessern, aber auch den Menschen in Kayunga die Möglichkeit bieten, Nutzen aus dem Informationsangebot des Internet zu ziehen. In das Projekt sind die Stadt Kayunga, das Krankenhaus und eine Schule involviert. Leider gibt es immer noch technische und administrative Schwierigkeiten. Bei einer der nächsten Reisen des Uganda-Teams nach Kayunga soll das Projekt ausgebaut werden. Die Gäste aus Kayunga wurden während des Internetkurses mit dem Medium vertraut gemacht. 

Sprachkurs
Bei einem Sprachkurs wurden ugandische und deutsche Phrasen ausgetauscht, damit man in dem jeweils anderen Land einige wenige Ausdrücke in der landeseigenen Sprache gebrauchen kann.

Wanderung und Feiern
Damit die Kontakte verstärkt werden können, fand eine Wanderung und einige Feiern statt, bei denen sich die Ugander und die Deutschen Zeit für Gespräche nehmen und sich näher kennen lernen konnten. 

Erntefest
Ein ausgesprochener Wunsch der Ugander war es, an dem Erntefest in Witzenhausen teilnehmen zu können. Ugander, die bereits das Erntefest kennen gelernt hatten, haben Werbung in Kayunga gemacht, so dass auch die jetzige Besuchergruppe das Fest genießen wollte.
Das Erntefest war ein toller Erfolg, Der Motivwagen der Ugander und des Uganda-Teams hat sogar einen Sonderpreis erhalten. Von vilenen Menschen am Straßenrand wurden die Ugander freundlich begrüßt. Ich weis nicht, wer den Begriff zuerst verwendet hat, jedoch ist es vollkommen richtig, von einer Welle der Sympathie zu reden.

Schnupperpraktika
Die Möglichkeit, ein Schnupperpraktikum über mehrere Tage durchzuführen, war ebenfalls ein Wunsch der Ugander. Damit wird eine Tradition des Uganda-Teams fortgesetzt, denn bei allen Austauschprogrammen kamen den Schnupperpraktika eine besondere Bedeutung zu. Es sollen handwerkliche Fertigkeiten vermitteln und die Arbeitsweise in dem jeweils anderen Land kennen gelernt werden. So kontnen den Besuchern individuell zugeschnittenen Praktikaplätze angeboten werden.
Neben den handwerklichen Fertigkeiten lernte man dabei auch den Arbeitsalltag kennen. 

Kurztrip nach Berlin
Sowohl bei unseren Besuchen  in Uganda als auch bei den Besuchen der Ugander bei uns, war immer ein mehrtägiges gemeinsames Ausflugsprogramm eingeplant. Bei diesem Ausflug sollten sich Ugander und Deutsche noch besser kennen lernen und gleichzeitig ein Stück Deutschland kennen lernen. Aus mehreren Vorschlägen wählten die ugandischen Gäste bei diesem Besuch die Besichtigung der Bundeshauptstadt Berlin.

Beschluss der Städtepartnerschaft
Ein unvergessliches Highlight war für die Ugander, bei dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung über die Städtepartnerschaft anwesend zu sein. Seit vielen Jahren arbeitete man auf diesen Beschluss hin. Nun ist die Städtepartnerschaft endlich beschlossen, worüber die Ugander, aber auch die Mitglieder des Uganda-Teams hocherfreut waren - und sind. 

Fazit
Wie bei keinem anderen Event, konnte eine derartige Nähe zwischen den Ugandern und den Bürgern Witzenhausens beobachtet werden, wie bei diesem besuch. Man ist aufeinander zugegangen, hat Gespräche geführt und Interesse gezeigt. Ein guter Ausgangspunkt für die junge Städtepartnerschaft.